Nein! Ich geben mein Kind nicht in ein Heim…

Es liegt nicht nur an diesem ganz speziellen Thema, warum ich in der letzten Zeit – den letzten Monaten – so wenig dazu gekommen bin, zu schreiben. Aber es hat einige Zeit in Anspruch genommen, alles hinter sich zu bringen und es sich dann auch noch von der Seele zu schreiben. Eines nur vorweg: wenn ich etwas in den vergangenen Monaten gelernt habe, dann war es, dass man sich selber und seinen Gefühlen vertrauen sollte und nicht grundsätzlich auf Personen hören sollte, nur weil sie eine „Spezialausbildung“ haben – wobei ich hier auf keinen Fall alle Fachärzte und Psychologen über einen Kamm scheren möchte und es mit Sicherheit auch andere, weithaus empathischere Fachkräfte gibt, als die, die ich kennengelernt habe.

Es fing alles damit an, dass meine Tochter – die das Down Syndrom hat – eine Schlafstörung entwickelte. Es gab keinen Abend mehr an dem sie ohne Machtkämpfe ins Bett ging. Selbst wenn wir Erwachsenen irgendwann hundemüde ins Bett gefallen sind, hieß das für sie noch lange nicht, dass Schlafenszeit war. Sie kam nicht zur Ruhe – und alle anderen Personen inkl. Hund, die in unserem Haushalt wohnen – auch nicht. Nacht für Nacht…Monatelang. Es war nicht herauszufinden warum sie nicht mehr schlafen wollte.

Little girl with suitcase

Nach mehr als einem halben Jahr, als keine Nerven mehr vorhanden waren und ich sämtliche Empfehlungen der Kinderärzte, Homöopathen und Osteophaten hinter mir hatte – meine Geldbörse um so einiges dünner geworden war – , machte ich mich auf den Weg zum Kinderpsychologen. Nun ist es leider nicht so einfach, einen Kinderpsychologen zu finden, der bereit ist, sich auf behinderte Kinder einzulassen. Zu wenig erforscht, zu wenig berechenbar, nicht auswertbar… Es waren die unglaublichsten Dinge die ich zu hören bekam. Manchmal hatte ich nicht mehr das Gefühl, das es hier um ein Kind geht sondern nur noch um ein vorzeigbares Ergebnis nach Beendigung der Therapie. Und da das mit meiner Tochter wohl nicht kalkulierbar war, vielen wir leider durch sämtliche Aufnahmekritierien.

Viele Wochen später landeten wir dann bei einem Kinderpsychologen der uns aufnehmen wollte…bzw. erst einmal mich, denn mit dem Kind kann man sich bestimmt schwer unterhalten bzw. Informationen erhalten. Kaum waren die ersten Minuten vergangen und die Anamnese war erfolgreich zu Papier gebracht, kam die Aussage „Sie müssen jetzt mal an sich denken – geben Sie ihr Kind in ein Heim. Dann können Sie auch wieder Kraft tanken. Eine andere Lösung sehe ich da nicht. Ihr Kind ist geistig behindert – hier können keine Rituale oder Konsequenzen eingeübt werden.“ Ich erklärte diesem Menschen dann kurz und knapp und vielleicht etwas emotional was ich von ihm halte und verließ die Praxis.

Das gleiche Spielchen wiederholte sich dann noch in zwei weiteren Praxen und wenn die Liebe und das Vertrauen in meine Tochter nicht so dermaßen groß gewesen wären (und es natürlich immer noch sind) weiß ich nicht, ob nicht vielleicht doch der ein oder andere Psychologe mit seinen Überredungstaktiken Erfolg gehabt hätte.

Wir waren in den letzten fünf Jahren immer in den Sommerferien für ein paar Wochen in Südholland und wie das so ist, lernt man mit einem Down Syndrom Kind schon allein durch die sehr offene und herzliche Art, sehr schnell neue Leute kennen. Unter anderem lernte ich dort eine Frau kennen, die seit Jahren mit behinderten Kinder „snoezelt“. Lieke de Boer ist Snoezelen Therapheutin und hat mich damals ein paar Tage mitgenommen als sie an einer Schule mit Integrationskindern – vorwiegend Kinder mit Down Syndrom – zum „snoezelen“ ging. Meine Tochter und ich verbrachten in den kommenden Sommern immer wieder ein paar Tage bei ihr und ich konnte so einiges von ihr lernen. Das nur als kurzer Einschub, damit jeder weiß wovon ich in den kommenden Zeilen schreibe.

Nachdem ich also jedem Psychologen gesagt habe, dass mein Kind unter keinen Umständen und für keine noch so kurze Zeit in ein Heim kommt, kam irgendwann ein Anruf von Lieke und ich erzählte ich von unserem Problem. Sie sagte mir, dass es durchaus nicht unüblich ist, dass Kinder  -auch ganz gesunde Kinder – im Pubertätsalter Schlafstörungen entwickeln und dass hier viele Familien an ihre Belastungsgrenzen kommen. Sie bietet als Snoezelen-Therapheutin sowohl für Angehörige der Kinder mit Schlafstörungen Kurse an um wieder zu Kräften zu kommen als natürlich auch für die Kinder mit den Schlafstörungen. Eltern können ebenso Kurse bei ihr besuchen in denen sie lernen, ihrem Kind Abends die nötige Sicherheit zu geben um den Tag ausklingen zu lassen. Von diesem Tag an skypten wir täglich und ich nahm an verschiedenen Online-Kursen teil, kaufte mir Lektüre, Musik und Lichtspiele und als ich mich sicher genug fühlte, begann ich mit meiner Tochter zu snoezelen…Es entwickelte sich ein wunderbares Abendritual das uns beiden nach dieser anstrengenden Zeit gut tat und sie fing an wieder ruhiger zu werden und wieder zu vertrauen, dass nach dem Abend auch ein Morgen kommt..und wir dann immer noch alle da sind.

Nach zwei Wochen kehrte wieder Ruhe ein…unserer Familie konnte durchschlafen, Kraft tanken und wieder gemeinsam lachen…Das snoezelen haben wir bis heute beibehalten 🙂

An alle da draussen die ähnliche Probleme haben: gebt nicht auf und setzte Euch nicht unter Druck – und viel wichtiger noch: lasst Euch nicht von anderen unter Druck setzen. Auch wenn es viel Kraft kostet: Am Ende wird alles gut – und wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende.

Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür, dass die letzte Zeit und auch dieser etwas ausführlichere Artikel ein bißchen Zeit in Anspruch genommen haben…in Zukunft gibt es hier wieder mehr zu lesen. Versprochen!

Euch allen noch einen schönen Sonntag Abend und eine erholsame Nacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

4 Antworten auf “Nein! Ich geben mein Kind nicht in ein Heim…”

  1. Hallo du Liebe! Das hast du ganz wunderbar geschrieben. Toll, dass du eine so schöne Lösung gefunden hast. Man darf einen Menschen, den man liebt, nicht so schnell aufgeben. Auch wenn man dabei einen schweren Weg gehen muss-es lohnt sich doch immer! Ich wünsche deiner Familie alles Liebe und Gute! Liebe Grüße, Birgit

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  2. Unfassbar was manche Menschen so von sich geben. Doe Probleme immer schön wegschieben, is ja einfacher als sie anzupacken. Das macht viele Menschen aus, den einfachen Weg wählen statt den berschwerlichen und bloß nichts dabei lernen. Ich finde es gut dass du dich für den schweren entschieden hast und diese Erfahrung mitnimmst. Kann nur besser werden 🙂

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