Das "nichts tun" lernen

Jetzt sind wirklich schon wieder drei Wochen vergangen….wie immer wenn man etwas schönes erlebt, ist die Zeit nur so davon gerast. Aber ich konnte die Energietanks auffüllen – mit jeder Menge frischer Luft, tollen Eindrücken, viel Entspannung und ganz vielen “ eingespeicherten“ Gefühlen, mit denen ich mich hoffentlich noch eine ganze Weile ruhig bekomme, wenn es mal wieder hektisch werden sollte.

Ich war mit meiner Familie in Südholland, in einem Ort in dem es außer einem wunderschönen Strand, Land, vielen Tieren, viel Zeit und jeder Menge frischer Luft nicht viel gibt…wir lieben diesen Ort und waren jetzt schon das fünfte Mal dort.

Was wir allerdings in jedem Urlaub wieder lernen müssen ist das „nichts tun“.

Wie es der Zufall so will, habe ich einen Tag vor meinem Urlaub ein wundervolle Zeitschrift entdeckt…wenn man sie in den Händen hält, hat man sofort das Gefühl etwas ganz Besonderes erstanden zu haben. Sobald man angefangen hat zu lesen, ist es dann endgültig um einen geschehen..dazu gibt es jedemenge tolle Bilder und Fotos zu betrachten.

Diese Zeitung heißt „flow“ – http://www.flow-magazin.de

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Ein Artikel aus der aktuellen Ausgabe befasst sich genau damit: mit dem “ nichts tun“. Eine kurze Leseprobe habe ich hier für Euch (findet ihr auch auf der flow Homepage unter „Leseprobe“):

Gemütlich nichts tun
Hamburg, 15.7.2014
Früher schienen die Sommer endlos zu sein, man lebte sorglos in denTag, hatte Zeit im Überfluss. Wie kann man die Leichtigkeit vondamals wiederfinden? Autorin Caroline Buijs machte sich auf die Suchenach mehr Muße.

Bevor er mit dem Rad zur Arbeit fuhr, küsste mein Vater uns Kinder und verabschiedete sich mit den Worten: „Genießt eure Freiheit!“ Damals wusste ich nicht, was er damit genau sagen wollte. Rückblickend verstehe ich ihn besser. Wir schwammen in einem Ozean aus Zeit – ohne Verpflichtungen ließen wir uns treiben. Und das gönnte er uns von Herzen.

Während meiner Studienzeit Anfang der 90er-Jahre war ich auf dem Höhepunkt meines Faulenzerlebens. Obwohl ich im Grunde eine fleißige Studentin war, lümmelte ich in meiner Erinnerung endlos auf der Wiese im Stadtpark herum, quatschte mit Freundinnen. Nachmittagelang ließen wir Steine über einen kleinen Teich hüpfen. Oder wir sonnten uns mit einem Buch am Strand. Und wenn wir Fahrrad fuhren, dann gemächlich. Ein Wunder, dass wir nicht umkippten. Die Sommer schienen endlos lang zu sein, die Tage reihten sich von selbst aneinander, und so etwas wie Zeit spielte keine Rolle. Jedenfalls hatte man nie zu wenig davon, uns bedrückte auch nichts – wir waren wunderbar sorglos.

Zu der faulen Stimmung fallen mir die Texte des Amsterdamer Schriftstellers Nescio ein, der Anfang des 20. Jahrhunderts lebte und in dessen Werk die Protagonisten gern gepflegt nichts tun. In einem Brief aus dem Jahr 1908 an seine Frau beschreibt er so eine gemütliche Phase im eigenen Leben: Von einem zweiwöchigen Aufenthalt an der Nordsee war er zunächst gar nicht begeistert, bis er anfing, sich für den Alltag in der nah gelegenen Hafenstadt Veere zu interessieren. Er gab sich ganz dem Rhythmus der Gezeiten hin, beobachtete das Ausfahren und Heimkehren der Boote, begleitete die Fischer aufs Meer, saß stundenlang auf dem Turm der Kirche, verlor jeden Begriff von Zeit und Raum: „Ich tue immer dasselbe, genau wie das Wasser. Die eine Welle rollt über die andere und danach sieht man sie niemals wieder, so lebe ich hier. Der Fluss der Zeit wird höchstens von den Mahlzeiten unterbrochen, und wenn es dunkel ist, geht man schlafen.“

Zauberworte: Kleiner und weniger
Natürlich war die Situation in unserer Kindheit und Jugend anders als heute. Wir lebten in den Tag hinein. Faulenzen passte zum Alter, und niemand wunderte sich darüber, weil es normal war. Jetzt, da wir älter sind, ist es laut der Arbeitspsychologin Patty van Ziel durch den sozialen Druck schwieriger, einfach mal zu bummeln: „Wir alle folgen einer Reihe ungeschriebener Gesetze: Was gehört sich, was ist richtig? Jeder ist so sehr damit beschäftigt, gesellschaftliche Normen zu erfüllen, dass Nichtstun kaum noch eine Option ist. Karriere, Auto, ein schönes Zuhause und zwei- oder dreimal im Jahr Urlaub machen – das scheint wichtig zu sein. Vielleicht sollten wir uns häufiger mal fragen, ob das wirklich das Richtige für uns ist.“

Wie es der Zufall wollte, sind wir auf einer unserer Radtouren genau in der kleinen Hafenstadt gelandet, von der der Schriftsteller Nescio sprach…in Veere. Und als wir auf dem Turm vor der Kirche standen, der Wind uns ordentlich durchpustete und wir auf das Meer hinaus guckten, wusste ich was er meinte 😉 Hier kann man das „nichts tun“ lernen und begreifen.

Wir brauchten ungefähr eine Woche, bis wir uns wunderbar mit dem „nichts tun“ angefreundet hatten. Niemand trug mehr eine Uhr, es wurde nicht geplant und vor allem wurde immer öfter auch einmal „nichts“ getan.

Nach drei Wochen haben wir jetzt alle eine gesunde Gesichtsfarbe, bestimmt 3 kg mehr auf den Rippen vom genießen und sind alle entspannt und zufrieden…nur an das Uhren tragen können wir uns nicht mehr gewöhnen 😉

Ich wünsche Euch noch einen schönen Samstag Abend…viel. geniesst ihr ja gerade das „nichts tun“ 😉

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